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    Schneechaos

    Von Elli | 3.Januar 2010

    Wir haben uns nichts böse gedacht als wir uns zur Feier des (westlichen) Neuen Jahres ins Nachtleben Pekings stürzten. Die erste Bar mit Band schon ein voller Erfolg: Gute Band, nette Leute und billige Getränke. In Peking wird in Clubs und Bars immer eine Band engagiert, die dann 6 oder 7-mal die Woche spielt. In den Pausen gehen die Bandmitglieder herum und unterhalten sich mit dem Publikum. So kam es, dass uns der Sänger ansprach und fragte, ob wir einen Liedwunsch hätten. Auf die Schnelle fällt uns nichts ein, also bitten wir ihn irgendein Lied zu spielen, dass er mit uns verbindet.

    Die  Band geht zurück auf die Bühne. Das nächste Lied wird angekündigt: “This song is for the girls over there“. Sie fangen an zu singen: 99 Luftballons von Nena. Und dann geht es los – aus allen Ecken fängt es an zu grölen. Unsere Tischnachbarn sind Deutsche, wie auch schätzungsweise die Hälfte der anderen Gäste im Lokal. Sie freuen sich über das deutsche Lied, welches die Sängerin akzentfrei darbietet. Aber auch die anwesenden Chinesen scheinen das Lied zu kennen und zu mögen. Sie fangen an zu klatschen und zu tanzen. Kurz darauf ziehen wir uns unsere Jacken an und gehen. Wir wollen ja nicht, wenn wir in China feiern, mit lauter Deutschen Nena singen.

    Also weiter zum nächsten Club. Zwei Taxis wollen uns nicht mitnehmen. Ungewöhnlich, aber wir denken uns nichts dabei. Schließlich finden wir zwei Chinesinnen, die das gleiche Ziel haben und uns im Auto mitnehmen. Wir tanzen und feiern ausgelassen und gegen 5 wollen wir langsam nach Hause.

    Leicht beschwipst bemerken wir gar nicht, wie leer die Straßen sind. Sicher, es schneit ein wenig, aber das tut es ja in Deutschland auch oft genug. Vor dem Club steht nur ein einziges Taxi. Der Taxifahrer will nicht losfahren – er meint wir wohnen zu weit draußen. Wir bleiben konsequent sitzen, nennen immer wieder unsere Adresse. Er ergibt sich schließlich seinem Schicksal und fährt langsam los. Mitten auf dem Highway bleibt er plötzlich stehen. Ein wenig mulmig wird uns nun schon – wenn der uns hier rausschmeißt stehen wir ziemlich blöd da. Macht er aber nicht: Er enteist die Scheibe und nach 5 Minuten  geht es weiter.  Die Windschutzscheibe wird noch 3mal enteist und wir kommen nur langsam vorwärts, aber wir kommen an.

    Am nächsten Tag werde ich von einer SMS vom Chef geweckt: „Montag bleib der Kindergarten wegen Schneechaos geschlossen“. Wegen dem bisschen Schnee soll der Kidergarten zubleiben? Verschlafen steh ich auf und schau aus dem Fenster – alles ist weiß und wundersam ruhig. Kein Auto auf den Straßen. Ein paar Fußgänger trauen sich raus und Kinder bauen Schneemänner.

    Inzwischen ist es abends –  es schneit noch immer. Die Straßen werden nicht geräumt und nur wenige Autos trauen sich auf die Straße. Da wir morgen freihaben überlegen wir kurz heute abend wegzugehen. Aber soviel Glück, noch einmal ein Taxi im Schneechaos zu bekommen werden wir wohl nicht haben.

    Der Beitrag wurde am Sonntag, den 3. Januar 2010 um 11:13 Uhr von Elli veröffentlicht. Sie können die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


    Topics: Elli (China)

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    2 Kommentare to “Schneechaos”

    1. migo

      Verschlafen steh ich auf und schau aus dem Fenster – alles ist weiß und wundersam ruhig. Kein Auto auf den Straßen. Ein paar Fußgänger trauen sich raus und Kinder bauen Schneemänne

      Moin.

      Und da sagt man immer die Chinesen sind mit die großen Klimaschänder. Wenn man sich da mal die Aktionen der letzten Tage hier im Norden anschaut, hat die Erderwärmung allein durch den Streusalzeinsatz um 0,0006743 % zugenommen.

      Vielen Dank für Deinen eindrucksvollen Bericht.

      Gruß

    2. Marko

      Ein schöner Bericht aus der Ferne, gut geschrieben. Vielen Dank!

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